Verlegen einer Betonstrecke auf der A2.

Der Beitritt Polens zur Europäischen Union und die Möglichkeit, bedeutende Investitionsmittel zu erhalten, hatten zur Folge, dass eine reale Chance auf Straßeninvestitionen vom großen Ausmaß entstand. Die ersten ernsthaften Pläne zur Entwicklung des Straßennetzes wurden im Jahr 2006 vorgelegt. Im Oktober 2007 wurde eine Änderung im Zusammenhang mit der Organisation der Fußball-Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine im Jahr 2012 vorgenommen. Vor ihrem Beginn sollten über 1600 km Autobahnen, fast 1400 km Schnellstraßen und mindestens 54 Umgehungsstraßen mit einer Gesamtlänge von circa 428 km entstehen. Dieser ehrgeizige Plan hat von Anfang an große Befürchtungen hinsichtlich der Realisierungsmöglichkeiten geweckt. Obwohl sie begründet waren, war das Ausmaß der begonnenen, realisierten und abgeschlossenen Straßeninvestitionen am größten in der Geschichte unseres Landes.

Bau der Generalin-Elzbieta-Zawacka-Brücke über die Weichsel in Torun.

Die wichtigsten Annahmen wurden in zwei Erarbeitungen enthalten: „Transportpolitik des Staates für die Jahre 2006 bis 2025“ und die im Jahr 2013 erarbeitete „Strategie der Transportentwicklung bis zum Jahr 2020 mit der Entwicklungsperspektive bis zum Jahr 2030“. Sie setzen die Gründung eines einheitlichen Systems von Autobahnen und Schnellstraßen voraus, das sowohl auf die Bedürfnisse des landesweiten Verkehrs eingeht als auch den Anforderungen eines Transitlandes entspricht. Mehr detaillierte Analysen der Infrastrukturentwicklung waren in den „Nationalen Straßenbauprogrammen“ enthalten. Sie stellten konkrete Investitionen dar, die zentral realisiert werden sollten, hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Bau von Autobahnen und Schnellstraßen. Den Gemeinde- und Kreisstraßen wurden wiederum „Nationale Programme zum Umbau der lokalen Straßen“ gewidmet. Beide Dokumentarten wurden im Kontext der sog. EU-Finanzperspektiven für die einzelnen Jahre erarbeitet.

Das Hauptkriterium, das eine enorme Bedeutung für den Beginn der Investitionen hatte, war die Lokalisierung der jeweiligen Straße in einem sich entwickelnden Verkehrsnetz zwischen großen Städten und die Gewährleistung eines freien Transitverkehrs. Als wichtigste Strecken wurden befunden:

• Autobahn A4 – mit ihrem Beginn in Jedrzychowice neben Zgorzelec, wo sie sich mit der deutschen Autobahn in Richtung Dresden verbindet. Sie verläuft durch Süd-Polen (Legnica, Breslau, Opole, Gliwice, Katowice, Krakau, Tarnow, Debica, Rzeszow) bis zum Grenzübergang mit der Ukraine Korczowa-Krakowiec. Die A4 hat eine Länge von über 670 km und mit der Autobahnumgehung
von Breslau zählt sie über 780 km.

• Autobahn A2 – mit einem Verlauf von Swiecko (wo sie sich mit der deutschen Autobahn A12 in Richtung Berlin verbindet) über Posen, Konin und Warschau. In der Nähe von Strykow kreuzt sie sich mit der Autobahn A1. Zu diesem Verkehrsstrang kann man auch die S2 zählen, die auch als Süd-Umgehung von Warschau bekannt ist.

• Autobahn A1 – mit der historischen Bezeichnung Bernsteinautobahn, die die nördlichen und südlichen Teile Polens verbindet. Fertiggestellt soll sie von der Dreistadt über Torun, Lodz, Czestochowa, Pyrzowice, Gliwice bis zur polnisch-tschechischen Grenze in Gorzyczki verlaufen.

• Schnellstraße S3 – die ähnlich wie die A1 die nördlichen und südlichen Teile Polens verbindet, die jedoch deutlich im westlichen Gebiet des Landes lokalisiert ist. Die Strecke soll von Swinoujscie nach Lubawka führen.

• Schnellstraße S7 – die sog. Landesstraße „Sieben“, die die Dreistadt mit Warschau und Krakau verbindet und die eine Alternative für die Autobahn A1 im Verkehrsstrang Nord-Süd darstellt.

• Schnellstraße S8 – die von Breslau nach Bialystok fuhrt und einen der wichtigsten Verkehrsstrecken darstellt, die Breslau, Lodz, Warschau und Bialystok miteinander verbindet. Die Strecke zwischen dem Ballungsgebiet der Hauptstadt und Ostrowia Mazowiecka ist ein Teil der internationalen Verkehrsarterie „Via Baltica“.

Nordstrecke der Autobahn A1 Rusocin-Czerniewice, Gdansk Transport Company, Foto: Kacper Kowalski/aeromedia.pl.
Verkehrsstraße auf der A4 Katowice-Krakau, Stalexport Autostrada Małopolska.

Neben dem Straßenbau galt die Einführung des elektronischen Gebühreneinzugssystems, die sog. E-Maut, als eine der grundlegenden Investitionen. Es sollte mit seiner Reichweite nicht nur die neu in Betrieb genommenen Strecken umfassen, sondern auch das gesamte Landesstraßennetz und das der internationalen Straßen, die ins Geschäftsbereich von GDDKiA fielen. Die angewandte Technologie der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) erforderte den Bau eines ganzen Systems von Kontrollpunkten, der sog. Mautportalen.

Im Fall von Gemeinde- und Kreisstraßen wurde kein zentraler Modernisierungsoder Bauplan eingeführt. Diese Aspekte sind den örtlichen Verwaltungen überlassenen worden. Man hat sich dafür auf die Schaffung eines Systems der Zielsubventionen konzentriert, die meist im Wege eines Wettbewerbs gewährt wurden. „Die nationalen Programme zum Umbau der regionalen Straßen“ werden alle vier Jahre beschlossen und sie bestimmen die Regularien, zu welchen die Finanzierung gewährt werden soll sowie den Betrag, der für dieses Ziel veranschlagt wird.

Armii Krajowej Straße in Danzig, Foto: Projektbüro Gdańsk.
Węzeł w ciągu trasy Armii Krajowej w Warszawie.