Gepflasterter Krakauer Markt, Gouachegemälde von Michael Stachowicz aus dem Jahr 1804.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es in den meisten Städten nur im Stadtzentrum gepflasterte Straßen, nämlich auf dem Markt und einigen Hauptstraßen. Trotz der vorherigen Versuche und einer Pflasterkommission, die seit 1693 bestand, begannen erst 1744 Investitionen in den Straßenbau vom größeren Umfang in Warschau. Die Straßenbeläge wurden zuerst mit Erde bedeckt, dann mit Wasser begossen und anschließend in den Boden gestampft. Darüber wurde eine ca. 10 cm dicke Sandschicht verlegt. Die Straßenkanten wurden errichtet, indem die sog. Gründungen eingesetzt wurden. Dabei handelt es sich um eine mit einer gespannten
Schur markierte Reihe von Steinen. Darüber wurde eine Schicht von Feldsteinen dem Bedarf entsprechend verlegt. Sie wurden senkrecht aufgestellt und in den Sand eingeschlagen. Größere Spalten zwischen den einzelnen Steinen wurden mit Schlagsteinen aufgefüllt. Das Pflaster wurde erneut mit Sand bestreut und mit ca. 30 kg schweren „Rammböcken“ in den Boden gestampft.

Von 1744 bis 1761 entstand in der Hauptstadt der sog. „Königsweg”, der entlang der Altstadt in Richtung Wola auf der Nord-Süd-Achse verlief und mit verschiedenen Böschungen über Zugänge zur Weichsel verfügte. Über 118 000 m2 an Straßennetz wurden damals gepflastert.

1768 berief der Sejm die sog. „Kommissionen für Ordnung“ ein, die es in allen Woiwodschaften geben sollte. In 20 Jahren ihrer Tätigkeit inventarisierten sie Stadtgüter, bereiteten Messpläne vor und begannen mit Arbeiten u. a. im Bereich Straßenbau und Sanierung.

Obwohl der Wegzoll in die Lehnskassen floss, verbesserte sich der Zustand der Straßen nicht. Auf dem Land fehlte es an einer effektiven Verwaltung, die von den Nutznießern des Wegzolls entsprechende Reparatur- und Instandhaltungsleistungen einfordern konnte. In dieser Zeit erhöhten sich die Gebühren und die Anzahl der Zollstellen, was dem Straßenzustand in keiner Weise entsprach.

Direkte Verbindungen, die früher aktiv zusammenarbeitende Städte verbanden, blieben ausschließlich zwischen Torun und Posen sowie Krakau und Lwiw erhalten. Das mittelalterliche Straßennetz zwischen der Weichsel und der Oder verschwand nach und nach und es entstand ein neues Straßensystem im Zentrum Warschaus. Die in der Hauptstadt zusammenlaufenden Straßen wurden im Laufe der Zeit zu Hauptverkehrsstraßen und die konzentrisch gelegenen Ringstraßen erhielten einen lokalen Charakter. Die Via magna, die einst die Hauptverbindung zwischen Posen und Krakau darstellte, wurde immer weniger genutzt.

Gepflasterter Platz vor dem Staszic-Palast in Warschau.

Eine Widerspiegelung des Verkehrssystems ist die erste (jedoch mit Fehlern behaftete) Landkarte des Königreichs. Sie wurde von Rizzi Zannoni gefertigt und stellte das damalige Straßennetz mit Brücken und Flussübergängen dar.

Im 19. Jahrhundert unterstand Polen der Herrschaft von drei Großmächten, die jeweils unterschiedliche Verwaltungen hatten und verschiedene Autonomiegrade einräumten. Die Besatzungsmächte strebten danach, die neuen Gebiete in ihr eigenes Transportsystem aufzunehmen.

In der österreichischen Besatzungszone wurde bereits 1775 eine Generaldirektion für den Straßenbau in Galizien und Lodomerien einberufen. Sie wurde von Jan Gross geleitet, der in den weiteren 30 Jahren fast 2000 km befestigte Straßen erbauen ließ. Von 1777 bis 1779 ließ er eine Holzbrücke über den Fluss San in Przemysl errichten. ”Diese war auf drei Steinpfeilern gestützt, mit einem Dach bedeckt und hatte eine Länge von 80 Nautischen Fäden”.

Unter der Leitung von Jan Gross wurden in Galizien über 3000 Brücken und Unterführungen gebaut. Außer der oben genannten Holzbrücke gehörten die Brücken über den Fluss Biala in der Nähe von Tarnow, die Brücken über den Fluss Raba, unweit von Droginia, und eine Brücke über den Fluss Wislok in Rzeszow zu den größten Brücken.

Gross wandte beim Straßenbau seine eigene Methodik an. Sie beruhte darauf, vier Schichten von Kies oder Steinschlag zu verlegen, die insgesamt nicht dicker als 50 cm waren. Ein solcher Belag wurde auch auf den Holzbrücken verlegt.

Von 1780 bis 1790 wurde der „Kaiserweg” gebaut. Es handelt sich dabei um die Wiener Verkehrsverbindung, die Lwiw mit Biala verband und weiter nach Wien führte. Jan Gross modernisierte auch die alte Handelsstraße vom Duklapass nach Przemysl, die eine Länge von 118 km hatte.

Brücken in Przemysl, um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert.
56_1
Breslau, Lessing-Brücke, gebaut 1875.
Brücken in Przemysl, um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert.
56_2
Warschau, Nowy Zjazd Straße und Kierbedz-Brücke, von 1859 bis 1864.
57_1
Breslau, Universitätsbrücke, errichtet von 1867 bis 1869.
57_2
Breslau, Dombrücke, gebaut 1889.

1817 wurde eine neue Straßenaufteilung in Galizien eingeführt, wobei die hierarchische Rangfolge der Straßen berücksichtigt wurde. Dazu gehörten Handels-, Post- und Landstraßen sowie Wege von lokaler Bedeutung. 1824 schaffte die Regierung das Scharwerk ab und ersetzte es durch Lohnarbeit der darauf spezialisierten Unternehmen. In einem weiteren Gesetz von 1866 wurde eine Aufteilung
der Straßen in Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen definiert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Einführung von Kreis- und Ortskassen beschlossen, aus deren Geldern der Bau und die Instandhaltung der Verkehrswege finanziert wurden.

Ende des 19. Jahrhunderts waren die Straßen Galiziens stark heterogen ausgestaltet. Der Straßenmeister von Tarnow merkte an, dass „die von Beamten beruflich genutzten Straßen, deren Instandhaltung die Aufgabe der Regierung war, und die Landesstraßen, die wiederum von Fachleuten instandgehalten wurden, in relativ gutem und beständigem Zustand waren. Die Gemeinde- und Kreisstraßen können hingegen in zahlreichen Ortschaften nur zu gewissen Jahreszeiten (…) genutzt werden. In zahlreichen Fällen waren ganze Dörfer und ihre Umgebungen sozusagen vom Rest der Welt abgeschnitten.“

Das Straßennetz stellte sich in Zahlen folgendermaßen dar: Es gab 2900 km öffentliche Verkehrsstraßen, 1800 km Landes-, 1700 km Kreis- und ca. 2000 km Gemeindestraßen. Die erste Eisenbrücke auf dem Kontinent wurde 1796 in Schlesien eröffnet.

Die Eisenhütte Malapanew in Ozimek und die Königlich Preußische Eisengießerei in Gliwice waren dort tätig, wo über ein Dutzend Objekte hergestellt wurden.

Brücke über den Fluss Strzegomka in Lazany.
Hängebrücke über den Fluss Mala Panew in Ozimek.
Tiergartenbrücke in Breslau.
Grüne Brücke in Danzig, 1883 in Betrieb genommen.

Die Brücke über den Fluss Strzegomka in Lazany sollte ursprünglich eine Steinbrücke sein, jedoch entschied sich der Investor Nicolas von Burghauss für den Einsatz von Eisen. Die Brücke bestand aus einem Joch, das fünf Eisenbögen umfasste. Sie wurden in Abständen von 1,35 m aufgestellt und waren 15,10 m lang sowie 2,89 m hoch. Die Bögen wurden in der Jochmitte mit Steinplatten
verbunden und durch Querverbindungselemente verstärkt. Die Brücke wurde aus 50 mm dicken, 0,50 m breiten und 5,80 m langen Platten errichtet. An den Kanten befand sich ein 0,36 m hohes Gesims, auf dem Schmuckgeländer angebracht wurden. Die Beläge wurden aus Pflastersteinen errichtet, die auf einer Schicht Kies verlegt wurden.