Clifton Suspension Bridge (1864, Vereinigtes Königreich).

In Europa mangelte es in der Neuzeit immer noch an längeren Strecken befestigter Straßeninfrastruktur. Als 1714 der schwedische König Karl XII. innerhalb von zwei Wochen 2200 km auf dem Pferd zurücklegte, wurde dies über eine lange Zeit für eine außenordentliche Leistung gehalten. Zum Glück wurde immer wieder versucht, mithilfe innovativer Lösungen bei Jochen- und Materialeinsatz Brückenkonstruktionen zu verbessern.

Nach der kühnen Idee von Anton de la Ponte wurden in Venedig Holzdurch Steinbrücken ersetzt. Die Rialtobrücke mit einem 28 m langen Joch hat im Zentralpunkt einen erhöhten Bogen, wohin an beiden Brückenseiten gestellte Kramläden reihenweise führen. Die auf Erlenpfählen gestützte Konstruktion steht den Gerüchten über fragwürdigte Objektsicherheit zum Trotz in fast unversehrtem Zustand.

In Paris entstand, um die Kommunikation zwischen dem Louvre und der Abtei St-Germain-des-Prés zu ermöglichen, die Pont Neuf. Sie ist die erste bis heute erhalten gebliebene Steinbrücke, die über die Seine in Frankreichs Hauptstadt führt. Erbaut wurde sie von 1578 bis 1607. Die Brücke mit 12 Jochen bilden eigentlich zwei Brücken mit je 7 und 5 Jochen, gestützt in der Mitte auf einer Insel, wo das Denkmal von Heinrich IV. aufgestellt wurde. Über eine längere Zeit bezauberte das Bauwerk sowohl mit seinen Ausmaßen (278 m lang und 22 m breit) als auch mit seinen architektonischen Lösungen wie etwa in der Form von Gehwegen.

Die Alte Mainbrücke, die älteste Brücke über den Rhein (1473 bis 1543, Deutschland).
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London Bridge (1890 bis 1900, Vereinigtes Königreich).
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Ponte de Lima (14. bis 15. Jahrhundert, Portugal).
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Alte Brücke (Pont Vieux) über den Fluss Gave de Pau (1250, Frankreich)
Dom Luís Bridge (Porto - Portugal)
Ponte Dom Luís I (1886, Portugal).
pont de la liberté, budapest
Freiheitsbrücke (1894 bis 1896, Ungarn).
Tower Bridge (1894, Vereinigtes Königreich).
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Conwy Suspension Bridge (1826, Wales).
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Brücke in der Zitadelle von Aleppo (1070, Syrien).
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Clifton Suspension Bridge (1864, Vereinigtes Königreich).
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Ponte Vecchio über den Arno (1345, Italien).
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Stari most (1557, Bosnien-Herzegowina).

Ein relevanter Durchbruch im Straßenbau erfolgte erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Pierre M. J. Trésaguet brachte ihn in Gang, indem er den Bau  von neuzeitlichen befestigten Straßen mit einem von schweren Straßenwalzen festgestampften Steinschlag als Straßenbelag in Frankreich in Gang brachte. Ein ähnliches Straßenbausystem, auch Makadam genannt, führte der Schotte John L. McAdam Anfang des 19. Jahrhunderts in Großbritannien ein.

Als tatsächliche Revolution im Brückenbau kann die  Durchbruchskonstruktion der Eisenbrücke in Coalbrookdale (1779) gesehen werden. Die erste Eisenbrücke der Welt stellte eine höhere Zug- und Druckfestigkeit als gemauerte Brücken sicher. Die Bogenkonstruktion mit ihren dünnen Rippen und feinen Verbindungselementen gab jedoch nicht alle Möglichkeiten des neuen Baustoffes wieder. Erst weitere visionäre Projekte im Brückenbau ließen das Potential von Eisen ausnutzen.

Die von Thomas Telford entworfene Menai-Brücke verband die Küste von Wales und die Insel Anglesey mit einer Hängebrücke. Das Bauwerk hervorragender Ingenieurskunst war bei ihrer Eröffnung im Jahr 1826 die längste Hängebrücke der Welt. Das Talent des Architekten wusste man zu schätzen, indem er damit beauftragt wurde, ein ähnliches Objekt über den Fluss Conwy in England zu bauen. Die errichtete Brücke hat ein Joch mit einer Spannweite von 100 m und der Hauptträger hängt an 10 Ketten aus Schweißeisen. Sie sind an Pylonen befestigt und mit interessanten sich auf das hinter ihnen stehende Schloss beziehenden Zinnen bekrönt.

Royal Albert Bridge (1873, Vereinigtes Königreich).
Menai Suspension Bridge (1826, Wales).

Das 20. Jahrhundert brachte wichtige Entdeckungen zur der Verbesserung des Straßenbelags (vorwiegend der Straßen in Städten) mit sich. 1830 begann England mit der Nutzung von Straßenbelägen aus Teer, 1835 folgte Frankreich mit dem Einsatz von Asphalt und Österreich setze gegen 1850 erstmals Straßen mit Betondecken ein. Auch Pflasterholz als Straßenbelag wurde erprobt.

1870 wurden in Frankreich Beläge aus Asphalt-Beton-Mischungen eingeführt, womit auch beträchtliche Straßenabschnitte außerorts verlegt wurden. Seit den 1860er Jahren kamen in Westeuropa bereits Straßenwalzen mit Dampfantrieb (seit 1902 mit  Verbrennungsantrieb) zum Einsatz. Gegen 1885 wurden auch Straßenbeläge aus Pflasterstein eingesetzt.

Neben den Innovationen im Straßenbau boomte in der Zeit auch der Brückenbau. Die Clifton-Brücke in Bristol (1864), nach Isambard Brunels Entwurf, besteht aus zwei Türmen und einer Hängekonstruktion. Die 414 m lange und fast 1500 Tonnen schwere Brücke wurde an jeder Seite mit wuchtigen Ketten befestigt und war keine einfach erbrachte Leistung, was der Schriftzug bei der Brückenauffahrt „suspensa vix via fit” („mühsam erbaute Hängebrücke”) bezeugt.

Bis 1903 war die Brooklyn Bridge, Stolz der Stadt New York, die weltweit längste Hängebrücke und die erste mit Stahlseilen ausgestattete Brücke. Die neugotische von John A. Roebling entworfene Konstruktion sah den Einsatz von Stahlkabeln in Verbindung mit strahlenförmig ineinander gedrehten und vom Pylonen oder einem hohen und steifen Gitterfachwerk auseinanderlaufenden Spanndrahtnetzen vor. Der Bau dieser Brücke dauerte 13 Jahre und forderte 27 Todesopfer.

In Porto war die Brücke Ponte Dom Luís I bei ihrer Eröffnung im Jahr 1886 in ihrer Klasse mit 385,25 m die längste Brücke der Welt. Die Zweietagenkonstruktion aus Stahl ist das Ergebnis herausfordernder Arbeiten des Ingenieurs Théophile Seyrig. Die Brücke besteht aus zwei Bögen mit einer Spannweite von 172 m und fünf Pfeilern aus Stahlplatten.

Das allererste Beispiel für eine Gondelbrücke ist hingegen die Biskaya-Brücke (1893) von Alberto Palacio. In der beeindruckenden Stahlkonstruktion (164 m lang und 50 m hoch) ist es gelungen, schwere eiserne Baustoffe mit leichteren Stahlseilen zu verbinden, wodurch sie zu einem Vorbild für ähnliche Objekte in der Welt wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts fiel die Entscheidung in London, unbedingt eine Brücke zu errichten, welche den darunter herfahrenden Schiffen den Verkehr ermöglichen sollte. Der vom Parlament vorgegebene auf dem benachbarten Schloss Tower of London aufbauende Stil konnte im interessanten Entwurf von John Wolfre-Barry und Horace Jones vereinigt werden. Die von 1886 bis 1894 entstandene und Stahl mit Stein zusammenführende Konstruktion ist eine Verbindung einer im Hauptteil aufklappbaren Brücke, zwei hängenden Seitenjochen und zweiteiligen hoch an den Spitzen der Turmstützen gelegenen Überführungen für Fußgänger. Die im viktorianischen Stil errichtete Tower Bridge wurde von Anfang an als Meisterwerk der Ingenieurskunst gesehen.

John A. Roebling Suspension Bridge (1866, USA).
Die Brücke Si-o-se Pol, auch 33-Bogen-Brücke genannt (1599 bis 1602, Iran).