Brücke der Märtyrer des 15. Juli (1973, Türkei).

Das Bauwesen des vergangenen Jahrhunderts brachte außer neuen Konstruktionsarten den Einsatz innovativer Technologien wie etwa den Spannbeton mit sich. Die 1964 gebaute Brücke Gladesville über den Fluss Parramatta gehört zu den nach diesem Stil errichteten Bauwerke. Das ist ein aus mehrdimensionalen Teilen gefertigtes und nach den Prinzipen der römischen Gewölbe aus Beton gegossenes Bogenobjekt. Die dabei verwendete Krümmung in der waagerechten Ebene der Hauptträger erlaubte es, den nötigen Raum für die Schifffahrt zu schaffen und das Konstruktionsgleichgewicht sicherzustellen.

Ein Beispiel für die Brücke mit einer effektvollen stromlinienförmigen Gestalt ist die über dem Bosporus in Istanbul hängende und den europäischen und asiatischen Stadtteil verbindende Brücke. Bei ihrer Eröffnung im Jahr 1973 war sie bezüglich der Jochlänge die weltweit viertgrößte und bezüglich ihrer Länge die größte außerhalb der Vereinigten Staaten errichtete Brücke. Das Hängejoch ist 1074 m lang und seine Pylonen stehen auf dem Festland. Zwei kurze Überführungen mit Zufahrt wurden anstatt der hängenden Seitenjoche eingesetzt.

Die 1997 eingeweihte Konstruktion Tsing Ma in Hongkong war bei ihrer Eröffnung hinsichtlich der Spannweite das zweitgrößte Hängeobjekt in der Welt. Der Entwurf, der eine dreispurige Autobahn auf der Brücke und zusätzlich eine zweigleisige oberhalb der aus Stahl errichteten Hauptträger verlaufende Bahnlinie umfasste, erforderte eine massive Konstruktion der Brücke.

Puente del Alamillo in Sevilla (1992, Spanien).
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Puente de la Mujer (2001, Argentinien).
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Sundial Bridge im Bundesstaat Kalifornien (2004, USA).

Die Brücke über den Großen Belt in Dänemark ist eine 18 km lange die zwei Inseln Seeland und Fünen miteinander verbindende Hängekonstruktion. Der aus Stahl und Stahlbeton gebaute Komplex wurde 1998 eröffnet und gehört zu den prächtigsten und längsten Brücken Europas. Der Hängebauteil ist 2,7 km lang und der Abstand zwischen den Pylonen beträgt 1624 m. Die Höhe jedes der Pylonen liegt bei 281 m, wovon 254 m über die Wasseroberfläche emporragen.

Eine beeindruckende, auch Meisterwerk genannte, Schrägseilkonstruktion ist die Ponte Vasco da Gama in Portugal. Sie ist Europas größte und längste Stahlbetonbrücke mit Pylonen, die von der Form her dem Buchstaben H ähnlich sind. Die Brücke mit der bei 420 m liegenden Spannweite des Hauptjochs entwarf Armando Rito. Das Bauwerk wurde 1998 während der internationalen Messe EXPO´98 eröffnet, um den 500. Jahrestag der Entdeckung des Seeweges von Europa nach Indien durch den berühmten  portugiesischen Seemann zu gedenken.

Im Bauwesen des 20. Jahrhunderts waren zwei Konstruktionsstile stark verbreitet. Dabei handelte es sich erstens um Stahlkonstruktionen und zweitens um Brücken aus Spannbeton, die in den nächsten Jahren, populär wurde. Wie ist also die Zukunft der errichteten Bauwerke?

Im Bauwesen des 21. Jahrhunderts haben wir mit neuen Baustoffen, vorwiegend mit durch hochresistente Fasern verstärkten Polymeren, die Baukonstruktion entlastendem Aluminium und Glas zu tun. Mittlerweile legen die meisten Architekten nicht nur Wert auf die Ästhetik, sondern auch auf „die technische Intelligenz” der Objekte. Letztere bezeichnet die Ausstattung der Brücken, z.B. mit einer Videoüberwachung und die Übermittlung wichtiger Daten wie bspw. der durch Lichtwellensensoren ermöglichten Messung der Konstruktionsspannung. Die Ästhetik ist zwar ein wichtiges, aber nicht das wichtigste Kriterium. Bei Einhaltung aller Vorgaben der Ingenieurskunst müssen heutzutage insbesondere die  Sicherheitsanforderungen sowie Erwartungen der Nutzer beachtet werden.

Autobahn in Atlanta.
Öresundbrücke, Querung über den Öresund (2000, Dänemark-Schweden).
Autobahnkreuz in Osaka.
Ponte Vasco da Gama (1998, Portugal).

Zu Brücken neuer Art gehört die zwei Staaten, Dänemark und Schweden, verbindende Brücke über den unteren Bereich der Schlucht Öresund. Die offiziell am 1. Juli 2000 eröffnete Straßen- und Bahnschrägseilkonstruktion ist im Grunde genommen ein aus einer Brücke, einem Tunnel und einer Kunstinsel bestehender Komplex. Die Öresundbrücke ist Europas längstes (7845 m) Objekt und verfügt über zwei Ebenen: eine untere mit dem Bahnverkehr und eine obere, wo vier Fahrbahnen der transeuropäischen Strecke E20 verlaufen.

Eine häufig für die Originalität und Funktionalität ausgezeichnete Brücke ist Neigungsbrücke, die zwei Zwillingsstädte Newcastle und Gateshead, miteinander verbindendet. Die eigenartige für Fußgänger und Fahrradfahrer bestimmte Brücke wurde 2001 eröffnet. Bei einer Gesamtlänge der Brücke von 126 m liegt die Jochlänge bei 105 m. Sechs hydraulische Hebevorrichtungen mit einem Durchmesser der Ausleger von jeweils 45 cm und zwei mit einer Leistung von 55 kW versehenden Elektromotoren, beugen die Baukonstruktion, sodass ein freier Weg von 25 m für den Schiffsfahrtkanal entsteht.

Infinity Bridge, eine Fuß- und Radwegbrücke (2009, Vereintes Königreich).
Rio-Andirrio-Brücke (2004, Griechenland).
Banpo-Brücke in Seul mit dem längsten beleuchteten Springbrunnen der Welt.
Das Viadukt von Millau (2004, Frankreich).

Eines der höchsten gegenwärtigen Brückenobjekte in Europa (die Höhe der Pylonen beträgt 343 m) ist die mehrjochige Schrägseilbrücke Millau in Frankreich. Das Objekt erstreckt sich über 2460 m. Es besteht aus sieben Pfeilern unterschiedlicher Höhe, alle Pylonen über der Brücke hingegen sind immer gleich groß und betragen 87 m.

Eine Brücke, welche die bisherige Vorstellung von mehrjochigen Schrägseilbrücken veränderte, ist die Rio-Andirrio-Brücke in Griechenland (2004). Sie wurde an der engsten Stelle des Golfs von Korinth errichtet und verbindet nicht nur zwei Ufer des Landes, sondern auch zwei verschiedene tektonische Platten. Der Schrägseilteil erstreckt sich über 2252 m, die Gesamtlänge der Brücke beträgt 2880 m. Der große Längenunterschied geht darauf zurück, dass die Brücke nicht mit den Pylonen fest verankert ist, sondern mit hydraulischen Dämpfern versehen ist. Dadurch sollen die durch seismische Aktivität des jeweiligen Gebietes hervorgerufenen dynamischen Verschiebungen minimiert werden. Vier Hauptträger der Pylonen sind außerdem nicht tief auf Pfählen am Meeresboden verankert, sondern stehen auf massiven Senkkästen, um das Umkippen der Konstruktion zu verhindern. Auch die Sockel der Pylonen verlaufen schräg nach oben, sodass sie zwei zueinander gebeugte dem Buchstaben A ähnelnde Rahmen bilden, damit das System gegen Erdbeben möglichst resistent ist.

Genauso intensiv entwickelte sich das Straßenbauwesen im 21. Jahrhundert. Gegenwärtige Technologien, das Fachwissen und innovative Baustoffe erlauben den Bau beständiger Straßenbeläge, die bei ordnungsgemäßer Nutzung noch lange gebraucht werden können. Bei der Auswahl unterschiedlicher Konstruktionslösungen hinsichtlich des Straßenbelags wird mittlerweile auf Straßenbeläge aus Beton gesetzt. Gemäß den Einschätzungen verfügen weltweit ca. 5% der Straßen über eine solche Konstruktion, obwohl der Richtwert in europäischen Ländern deutlich höher liegt. Die Vorteile des Nutzbetons sind eine hohe Tragfähigkeit, lange Lebensdauer, Beständigkeit gegen Spurrillenbildung, eine helle Farbe, die die Sicherheit der Autofahrer erhöht und auch zudem
niedrigere Unterhaltungskosten hat.

Modernes Autobahnkreuz in Dallas in den USA.
BEIJING, CHINA - OCTOBER 06:  (CHINA OUT) (EDITORS NOTE: Image captured with a fisheye lens) Aerial view of cars queuing up to pass a checkpoint set recently in the direction of Beijing on the Beijing-Hong Kong-Macau Expressway at the end of National Day Holiday on October 6, 2015 in Beijing, China. A travel peak appeared at the end of 7-day China's National Day Holiday.  (Photo by ChinaFotoPress/ChinaFotoPress via Getty Images)
Rekordstau auf der Autobahnstrecke Hongkong-Peking, China.
Modernes Autobahnkreuz in den USA.
Das Viadukt Rodovia dos Imigrantes (Autobahn der Einwanderer) in Brasilien.