Brooklyn Bridge (1883, USA).

Ein Durchbruch, der die Entwicklung vom innovativen Verkehrstransport ermöglichte, war die Erfindung eines vom hochtourigen Benzinmotor angetriebenen Fahrzeugs, was 1885 in Deutschland erfolgte. Nach verschiedenen Verbesserungen (Vorderradantrieb, Frontmotor, pneumatische Räder) wurde es zu einer gefragten Neuheit.

Ein entscheidender Fortschritt auf dem Fachgebiet ereignete sich in den Vereinigten Staaten. Sie begannen Europa in der technischen Entwicklung einzuholen.

Der Vorreiter war der Amerikaner Henry Ford. Seit 1896 baute er Fahrzeuge. Sieben Jahre später gründete er bereits sein eigenes Werk in Detroit, wo er seit 1908 mit der Herstellung des T-Modells anfing. Ihm ist es gelungen, eine große Nachfrage nach seinen Fahrzeugen auszulösen, was zur Massentauglichkeit der innovativen Automobilbranche führte. Der Tatsache, dass im Jahre 1927, als der Herstellprozess des T-Modells eingestellt wurde, seine Autos die Hälfte aller Kraftfahrzeuge weltweit darstellten, bezeugt Fords Bedeutung. Fords Beispiel gingen andere Hersteller nach. Sein Rekord in Großserienproduktion wurde in absoluten Zahlen erst in den 1960ern durch den deutschen „VW-Käfer” gebrochen.

Biskaya-Brücke (1893, Spanien).

Obgleich grundlegende Designelemente eines modernen Kraftfahrzeugs bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts festgelegt wurden, wurde nach wie vor an der Geschwindigkeit der Fahrzeuge und der Verbesserung der Fahrsicheriheit gearbeitet. 1907 führte der Österreicher Hans Ledwinka die Vierradbremse ein, 1912 fing man an, die Handbremse zu nutzen. Ein Jahr später konstruierte das Unternehmen De Dion-Bouton ein Fahrzeug mit Hinterradaufhängung und einzeln aufgehängten Rädern. 1919 setze
man den elektrischen Motorstarter ein. Seit 1922 wurde in Deutschland der Einsatz leichter Legierungen in der Fahrzeugkonstruktion eingeführt. Seit 1924 wurden in Deutschland serienmäßig pneumatische Bremsen hergestellt und 1925 die Hydraulikbremse und Zentralschmierung eingesetzt. Auch erfand der Deutsche Fritz Kreis 1932 das Automatikgetriebe.

Henry Ford, Konstrukteur des Ford Modell T, 1938.
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Der Rekord von Ford wurde durch den Volkswagen „Käfer“ geschlagen.

Die Anforderung, immer schneller, ungestört und sicher längere Strecken zurücklegen zu können sowie der daraus resultierende Fortschritt der Automobilbranche trugen zum Bau eines modernen Straßennetzes bei. In den 1920er Jahren entstanden die ersten Autobahnen, d.h. kollisionsfreie Straßen, auf denen die Kollisionsgefahr so weit wie möglich minimiert wurde.

Die Ingenieure stellten fest, dass eine Autobahn aus zwei separaten Einbahnfahrstreifen bestehen muss, sich mit anderen Fahrbahnen auf einer Höhe nicht überschneiden darf, größere Menschenansammlungen umgehen sollte sowie über ebenfalls kollisionsfreie Ausfahrten und Zufahrten mit Städten und Dörfern verbunden sein sollte. Durch diese Verbesserungen konnten Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 140 km/h über die Autobahnen flitzen.

Die erste Schnellstraße entstand in Italien. Daher kommt die weltweit gängige Bezeichnung „Autobahn”, was auf Italienisch „eine Bahn für Autos” bedeutet. Das war die 1924 eröffnete Hauptverkehrslinie Mailand-Varese. In den 1930ern wurde ein Autobahnnetz in Deutschland gebaut. Die erste 1932 eröffnete Autobahn verband Bonn und Köln miteinander. Schnellstraßen entstanden in derselben Zeit nach und nach in den Vereinigten Staaten. Mittlerweile verfügen die USA über das am weitesten entwickelte Schnellstraßennetz der Welt. Angesichts eines äußerst hohen Motorisierungsgrades erfüllt es in dem riesigen Staat eine überaus wichtige Rolle. Die Bedeutung dieser Rolle ist noch größer als die des Eisenbahnnetzes. Im heutigen Europa stehen Belgien und Frankreich auf dem Fachgebiet an der Spitze.

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Deutsche Autobahn, 1930er Jahre.
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Die italienische Autobahn, die Mailand mit Turin verbindet (1947).
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Feierliche Autobahneröffnung im Bundesstaat Vermont in den USA im Jahr 1974.
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Transport von Volkswagen Fahrzeugen in die USA, Hafen in Hamburg, 1955.

Auch das Bauwesen des 20. Jahrhunderts machte große Fortschritte. Zu den wagemutigsten Konstruktionen kann die Brücke ganz in Afrikas Herzen (Durchbruch des Sambesi unter den Victoriafällen) gezählt werden. Gerade dort errichtete der Architekt George Andrew Hobson 1905 einen Stahlbogen mit einer Spannweite von 198 m. Die einjochige Gitterbrücke stellt die einzige Bahnverbindung zwischen Simbabwe und Sambia sowie eine der drei Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Staaten dar.

Im 20. Jahrhundert aufgekommene architektonische Trends, insbesondere die Epoche der Moderne, beeinflussten erheblich den Stil der errichteten Baukonstruktionen. Ein Beispiel dafür ist das Bauwerk von Robert Maillart: die 1930 fertiggestellte Salginatobelbrücke in der Schweiz. Die Betonbrücke mit einem Joch verdankt ihren Ruhm nicht nur dem außergewöhnlichen Ort, wo sie errichtet wurde, sondern auch dem Verzicht auf überflüssige Bauteile. Mit ihren 90 m langen Endjochen reicht sie bis zu den Felswänden, was den Eindruck erweckt, dass die Brücke als eine edle in die Schlucht hineingesteckte Konstruktion erscheint.

Die George-Washington-Brücke veränderte wiederum die damalige Vorstellung der Baumöglichkeiten langer Hängejoche. Ihre Spannweite ist fast zweimal größer als die der Ambassador Bridge. Die Stahlpfeiler aus einer Gitterkonstruktion liegen 184 m über dem Meeresspiegel. Die Hängebrücke verbindet Manhattan mit dem Bundesstaat New Jersey. Sie wurde von 1927 bis 1931 gebaut und ihr Bau wurde von Othmar Ammann nach Cass Gilberts Entwurf geleitet. Die Brücke ist für den Straßen-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr bestimmt.

Seit 1932 ist die Sydney Harbour Bridge eine Bogenkonstruktion, die bekannteste und größte Brücke ihrer Klasse. Sie befindet sich gleich neben dem Sydney Opera House und wurde über den Gewässern der Port-Jackson-Bucht errichtet. Das von John Job Crew Bradfield entworfene Objekt umfasst dank seiner Breite von 49 m acht Fahrbahnen, einen Gehweg, einen Fahrradweg und eine zweigleisige Bahnstrecke.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die meisten Brücken mit großen Jochen in den Vereinigten Staaten errichtet. Eine wesentliche Rolle in der Klasse spielte die berühmte Golden Gate Bridge zwischen San Francisco und der Halbinsel Marin in der Westküste. Über die Idee, die Brücke gerade dort zu bauen, wurde über einen langen Zeitraum aufgrund der damit verbundenen technischen Probleme diskutiert, bis der Ingenieur Joseph B. Strauss die schwierige Aufgabe übernahm.

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Bau einer Straße in Korea, unweit des Flusses Hangang, durch US-amerikanische Soldaten, Anfang der 1950er Jahre
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Bau der Autobahn ALCAN, 1942.
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Geschäftsinsassen bauen eine Straße in den USA (1934).
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Bau einer Straße in Korea, unweit des Flusses Hangang, durch US-amerikanische Soldaten, Anfang der 1950er Jahre.
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Bau der Autobahn ALCAN (Alaskan-Canadian Highway), 1942.
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Bau einer Straße in Korea, unweit des Flusses Hangang, durch US-amerikanische Soldaten, Anfang der 1950er Jahre.
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Bau einer Straße in den USA, 1916.
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Bau einer Straße in Washington, D.C. (1910).
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Bau einer Straße in der Stadt Tredegar in Wales, 1964 .
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Der Bau eines Tunnels über die Gewässer von Hampton Roads, 1957.

Unter dem Einfluss verschiedener Architektenratschläge wurde der Entwurf überarbeitet. Die gestützte Hängebrücke wurde zu einer einfachen Hängebrücke mit einem 1280 m langen Mitteljoch. Der äußerst wichtige Verkehrsknotenpunkt wurde 1937 eröffnet und über fast 30 Jahre erfreute er sich des Rufes der weltweit längsten Hängebrücke. Bis heute gilt sie in Architektenkreisen für ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Brückenkonstruktion stützt sich auf zwei identische Türme, die mit ihren Seilen einer Belastung von jeweils 95 000 Tonnen standhalten. Die Seile, welche die Brücke abstützen, haben einen Durchmesser von 93 cm und bestehen aus 27 572 einzelnen Kabeln. Es ist erwähnenswert, dass die Länge der bei der Herstellung der verwendeten Seile eingesetzten Drähte ausreicht, um die Erde dreimal zu umrunden.

Ein besonders interessantes Bauwerk ist die 37 km lange und weltweit längste Kombibrücke, die Chesapeake Bay Bridge-Tunnel, die im Eröffnungsjahr (1964) im internationalen Wettbewerb als einer der „sieben architektonischen Weltwunder der Moderne” ausgezeichnet wurde. Die größte Strecke befindet sich unter der Wasseroberfläche und ist auf 5114 Pfeilern gestützt. Sie besteht aus zwei Brücken, einer Niederflurrampenbrücke, zwei Tunneln, vier künstlich geschaffenen Inseln und mehreren Zufahrtswegen.

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Viktoriafälle (1905, Zimbabwe/Sambia).
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Golden Gate Bridge (1937, USA).
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Theodor-Heuss-Brücke (1953 bis 1957, Deutschland).
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Chesapeake Bay Bridge -Tunnel (1966, USA).
Tsing-Ma-Brücke (1997, China).
Die Großer-Belt-Verbindung (1998, Dänemark).
Sydney Harbour Bridge (1932, Australien).
Klappbrücke in Sankt Petersburg (1913, Russland).
Saint-Nazaire-Brücke (1975, Frankreich).